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Krupp wurde Friedensschmied
Denkmal vor der Marktkirche erhielt Umhang aus Kranichen
Essen, 21.09.2026. "Die Welt ist unsicherer geworden. Viele Menschen sind besorgt. Was können wir für den Frieden tun?“ – Mit dieser Frage hatten acht Essener Friedens- und Kirchenorganisationen zu einer ungewöhnlichen Kunstaktion eingeladen. Am Internationalen Tag des Friedens zeigte sich, wie die Einladung beantwortet wurde: Bei schönem Wetter kamen rund 200 Menschen an das Krupp-Denkmal vor der Essener Marktkirche. Sie nahmen daran in Gesprächen Anteil, falteten Kraniche, sangen Lieder mit oder unterzeichneten die Selbstverpflichtung für Soziale Verteidigung (Link siehe unten auf dieser Seite).
VON DER EINLADUNG ZUR AKTION
Bereits ab 14 Uhr konnten Interessierte der Einladung zum Mitmachen ganz praktisch folgen: Sie falteten eigene Friedenskraniche, informierten sich am Infotisch zu Sozialer Verteidigung, Hiroshima und Atomwaffen-Widerstand und viele unterzeichneten die Selbstverpflichtung: „Hiermit erkläre ich, Menschenrechte und Demokratie gewaltfrei zu verteidigen. Im Falle eines militärischen Angriffs von außen oder einer Machtergreifung undemokratischer Kräfte in Deutschland beteilige ich mich nach meinen Möglichkeiten an Sozialer Verteidigung.“ Menschen setzten vor Ort oder online ihre Unterschrift.
DIE KUNDGEBUNG
Um 16 Uhr eröffnete Jochen Neumann (Wehrhaft ohne Waffen) das Rahmenprogramm aus Lyrik, Musik und kurzen Reden. Pfarrer Jan Vicari sprach unter Bezug auf einen Kirchenkreis-Beschluss „An der Marktkirche“, Barbara Orfeld trug ein Gedicht von A. Heller vor. Hans-Georg Eger von der KräftigeGüteStiftung wies auf den wichtigen Zusammenhang zwischen Güte und Kraft hin. Musikalisch begleitete unter anderem Konstantin Weckers „Wenn unsere Brüder kommen“ die Kundgebung, außerdem steuerte Uli Klan Instrumentalmusik bei.
Friedensforscher Dr. Martin Arnold erklärte die neue Botschaft Krupps: „Soziale Verteidigung ist Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt Essen. Denn hier begann 1923 die erste gewaltfreie Soziale Verteidigung gegen einen militärischen Einmarsch: der Ruhrkampf – und der heutige Oberbürgermeister Thomas Kufen setzt sich auch für Soziale Verteidigung ein.“ Beate Bruder trug das Gedicht „Hiroshima“ vor und erläuterte das Kunstobjekt.
DENKMAL ERHIELT FRIEDENSMANTEL
Gegen 16:55 Uhr folgte der Höhepunkt: Unter dem Klang einer Klangschale hängten Christoph Grotepass und Michael Ganter gemeinsam mit zwei Helfenden unter andächtigem Schweeigen der Zuschauenden den Mantel aus Friedenskranichen über die Bronzefigur Alfred Krupps. Über dem Geschehen stand sichtbar das Leitwort: „Frieden schmieden mit Sozialer Verteidigung!“
Anschließend sang Uli Klan ein Friedenslied von Iris Schärer, bevor Christoph Grotepass die Selbstverpflichtungserklärung noch einmal verlas und ergänzte, warum ihm die Unterzeichnung wichtig ist.“ Gemeinsam wurde Hand in Hand „We shall overcome“ gesungen, begleitet von Hannas Friedenstrompete. Jochen Neumann sprach die Schlussworte, um 17:30 Uhr endete die Aktion mit einem letzten Trompetensignal von Hanna Jaskolski.
DER MANTEL SOLL SICHTBAR BLEIBEN
Bis zum 25. September wurde der Friedensmantel in der Marktkirche ausgestellt; nun soll er weiter durch Kirchen und Gemeindehäuser wandeln. Damit bleibe die Botschaft „Frieden schmieden mit Sozialer Verteidigung!“ auch über den Aktionstag hinaus im Essener Stadtbild präsent – ein sichtbares Zeichen, das zum Weiterdenken und Mitmachen einlädt, hoffen die Organisator:innen.
HISTORISCHER UND AKTUELLER KONTEXT
Der Ort war bewusst gewählt: Hier hatte Essens damaliger Oberbürgermeister Hans Luther am 11. Januar 1923 die Soziale Verteidigung des Ruhrgebiets gegen die französische Besatzung eingeleitet – der Beginn des erfolgreichen gewaltfreien Ruhrkampfs, der 1925 mit dem Abzug der Truppen endete. Essens heutiger Oberbürgermeister Thomas Kufen, engagierter „Mayor for Peace“, setzt sich seit Jahren gegen Atomwaffen und für Soziale Verteidigung ein und unterstützt seit 2019 den ICAN-Städteappell für ein atomwaffenfreies Deutschland.
Der Mantel aus Friedenskranichen erinnerte zugleich an Sadako Sasaki, die als Zwölfjährige in Hiroshima an den Spätfolgen der Atombombe starb. Ihr Kraniche-Falten wurde weltweit zum Symbol für Hoffnung und Mahnung. Durch Alfred Krupp wurde Essen einst als Waffenschmiede bekannt – ein Erbe, das die zeitgleich stattfindende Essener Rüstungsmesse und NATO-Strategiekonferenz fortsetzt. Die Kunstaktion setzte dem bewusst ein anderes Bild entgegen: Essen als Stadt der Sozialen Verteidigung.
Zur Selbstverpflichtung für Sozialen Verteidigung auf der Homepage der Initiative Wehrhaft ohne Waff »
