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Gottes Liebe gilt jedem Menschen

Bewegende Mahnwache anlässlich des Anschlags auf den CSD in Berlin

Essen, 27.07.2026. Bei einer Mahnwache haben zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, darunter viele Mitglieder der queeren Community in Essen, am Montagnachmittag auf dem Kennedyplatz der Opfer des Anschlags auf den CSD in Berlin gedacht. Tränen der Trauer und die Suche nach Trost, Angst und Wut kamen dabei ebenso zum Ausdruck wie der Aufruf, gemeinsam Gewalt und Diskriminierung zu überwinden und sich für eine offene Gesellschaft einzusetzen.

Die Initiatoren vom Ruhr PRIDE Essen e.V. hatten Alica Baron um die Einleitung einer Schweigeminute und eine Fürbitte gebeten: "Lass uns Brücken bauen statt Mauern, schenke uns den Mut, füreinander einzustehen und dem Hass nicht das letzte Wort zu überlassen", betete die Pfarrerin, die in der Kirchengemeinde Frohnhausen tätig ist und gleichzeitig eine Synodalbeauftragung für queersensible kirchliche Arbeit im Kirchenkreis Essen innehat. Ihre Texte dokumentieren wir nachfolgend - ebenso das Statement der Solidarität, das der Kirchenkreis am Sonntagvormittag (26.07.) unter dem unmittelbaren Eindruck der Ereignisse des Vorabends veröffentlicht hatte.

EINLEITUNG DER SCHWEIGEMINUTE

Liebe Menschen, wir stehen heute hier, weil Worte eigentlich nicht ausreichen. Ein Anschlag wie der in Berlin erschüttert uns. Er reißt einen Menschen aus dem Leben, verletzt Körper und Seelen und hinterlässt Angst, Trauer und Fragen, auf die es im Moment noch keine Antworten gibt.

Ich stehe heute hier als Pfarrerin und ich tue das mit großer Demut. Denn ich weiß: Kirche hat queeren Menschen nicht nur Trost geschenkt. Sie hat auch Schuld auf sich geladen. Sie hat ausgegrenzt, verletzt und Menschen das Gefühl gegeben, bei Gott nicht willkommen zu sein.

Umso dankbarer bin ich, dass sich vieles verändert hat und weiter verändert. Queere Menschen waren immer Teil der Kirche. Heute dürfen wir gemeinsam Gottesdienste feiern, füreinander beten und sichtbar machen: Gottes Liebe gilt jedem Menschen, ohne Ausnahme.

Gerade in diesen Tagen ist mir noch etwas wichtig. Über den Täter wissen wir noch nicht genug, um vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Aber eines wissen wir: Hass darf nicht noch mehr Hass hervorbringen. Deshalb stehen wir auch an der Seite unserer muslimischen queeren Geschwister. Gemeinsam, auf unseren unterschiedlichen Wegen des Glaubens, treten wir ein für Frieden, für Menschenwürde, für Gleichberechtigung und für eine Demokratie, in der niemand aus Angst leben muss.

Unsere Gedanken sind bei der Verstorbenen. Bei den Verletzten. Bei ihren Familien und Freund*innen. Und bei allen, die dieser Anschlag körperlich oder seelisch getroffen hat.

In der Bibel heißt es: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Heute können wir den Schmerz nicht ungeschehen machen. Aber wir können zeigen: Niemand trauert allein. Ich lade uns nun ein zu einer Schweigeminute.

FÜRBITTE

Gott, wir kommen heute mit schwerem Herzen. Wir denken an den Menschen, die bei dem Anschlag ihr Leben verloren hat. Nimm sie auf in deinen Frieden. Wir denken an die Verletzten. Schenke ihnen Kraft, gute medizinische Versorgung und Menschen, die sie liebevoll begleiten. Wir denken an die Angehörigen, Freund*innen und alle, deren Leben von einem Moment auf den anderen aus den Fugen geraten ist. Tröste sie in ihrer Trauer und halte sie, wenn ihnen die Kraft fehlt.

Wir bitten dich für die queere Community. Viele Menschen spüren heute Angst, Verunsicherung und Erschöpfung. Lass sie erfahren, dass sie nicht allein sind. Stärke alle, die sich weiter mutig für ein friedliches und vielfältiges Miteinander einsetzen. Schenke uns hier in Essen eine friedvolle und segensreiche ruhrPRIDE.

Wir bitten dich auch für unsere Gesellschaft. Bewahre uns davor, vorschnell zu urteilen oder Menschen gegeneinander auszuspielen. Lass uns Brücken bauen statt Mauern. Schenke Politiker*innen, die sich für den Schutz von queeren Menschen einsetzen. Schenke uns den Mut, füreinander einzustehen und dem Hass nicht das letzte Wort zu überlassen.

Jesus hat sich immer den Menschen zugewandt, die verletzt, ausgegrenzt oder voller Angst waren. Er hat sie angesehen, ihre Würde gestärkt und ihnen Hoffnung geschenkt. Lass auch uns einander so begegnen. Sei du bei uns. Heute. Und in den Tagen, die kommen. Amen.

STATEMENT DER SOLIDARITÄT VOM 26. JULI 2026

Unsere Gedanken und Gebete gelten an diesem Tag allen Menschen, die gestern Abend in Berlin Opfer einer schrecklichen Gewalttat wurden: der getöteten Frau und allen, die ihr nahestanden, den Verletzten, Helferinnen und Helfern, Augenzeugen.

Als Evangelische Kirche in Essen erklären wir unser Mitgefühl und unsere Solidarität mit allen Menschen, die jetzt unter Schock stehen und Ängste erleiden. Lasst uns nicht in der Sprachlosigkeit verharren, sondern gemeinsam weiter an einer Gesellschaft arbeiten, in der Gewalt, Hass und Diskriminierung keinen Platz haben.

 

 

 

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