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Zeit zu danken
Kreisverband der Evangelischen Frauenhilfe wird aufgelöst
Essen, 29.06.2026. In einem Gottesdienst in der Marktkirche am 29. Juni hat die Evangelische Frauenhilfe in Essen gleich vierfach Abschied genommen: Zum einen wurde Daniela Emge, Vorsitzende des Kreisverbands der Frauenhilfe und in einer Reihe von Gemeinden des Kirchenkreises mit Vertretungsdiensten betraut, von Assessorin Monika Kindsgrab aus ihrem Dienst entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet.
Ein Schlusspunkt war der Gottesdienst sodann für den Kreisverband selbst, denn weil sich keine Nachfolgerin für die Funktion der Vorsitzenden gefunden hat, wird der eingetragene Verein Ende September – im 114. Jahr seines Bestehens – aufgelöst. Deshalb wurden in der Feier auch die Mitarbeiterinnen des Kreisverbandes verabschiedet. Und nicht zuletzt muss, als weitere Folge, das vom Verband getragene Angebot der Kurberatung beendet werden.
DANIELA EMGE – PASTORIN IM EHRENAMT
Daniela Emge ist in Bonn aufgewachsen und hat in Bonn, Heidelberg und München Theologie studiert. Nach dem Vikariat in Birkenfeld (heute Teil des Kirchenkreises Obere Nahe) absolvierte sie ihren Hilfs- und Sonderdienst im Kirchenkreis Bonn-Bad Godesberg. Ihr Mann Reinhard Laser ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Essen-Kupferdreh, sie selbst war überwiegend als Pastorin im Ehrenamt tätig: Zuerst in Duisburg und seit 2002 auch in Essen hielt Daniela Emge Gottesdienste in der Gemeinde ihres Mannes, leitete Bibelkreise und Krabbelgruppen, koordinierte Weltgebetstags-Feiern, beriet Gemeinden auf Honorarbasis und engagierte sich berufspolitisch im „Rheinischen Konvent“, der ehemaligen Vereinigung der Pastorinnen und Pastoren der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR).
VERTRETUNGSDIENSTE – POSITIV BETRACHTET!
Später übernahm Daniela Emge dann vor allem befristete, aber meist mehrmonatige oder noch längere Vertretungen in Kirchengemeinden – ob diese nun aufgrund von Vakanz, Sabbatjahr, Elternzeit oder Krankheit erforderlich waren; 2013 bis 2021 allein in sechs Essener Gemeinden; von 2022 an bis heute, in diesem Zeitraum als beim Kirchenkreis angestellte Pastorin, in weiteren sechs. Sie predigte in unzähligen sonntäglichen Gottesdiensten, unter der Woche auch in Schulen und Altenheimen, sie taufte, traute und bestattete, hielt Andachten in Kindertagesstätten.
„Ich bin immer sehr freundlich aufgenommen worden“, blickt Daniela Emge selbst auf ihre befristeten Tätigkeiten in verschiedenen Gemeinden zurück. „Ich habe es immer genossen, viel Zeit für die wirklich pastoralen Aufgaben zu haben, als Ehrenamtlerin unter Ehrenamtlichen tätig zu sein und auch die entsprechende Freiheit zu haben – und etwa ein Trauergespräch nicht unter Zeitdruck, zwischen Konfirmandenunterricht und Presbyteriumssitzung, führen zu müssen.“ Auch an langwierigen und mitunter unfruchtbaren Gremiensitzungen habe sie aufgrund ihrer Funktion nur selten teilnehmen müssen, fügt sie augenzwinkernd an. In ihrer Ansprache dankte Assessorin Monika Kindsgrab, stellv. Superintendentin des Kirchenkreises Essen, für ihr langjähriges, wichtiges und großartiges Engagement.
STARKER EINSATZ FÜR DIE FRAUENHILFE
Hinzu kam ihr starker, langjähriger Einsatz für die Frauenhilfe: Bereits während ihrer Tätigkeit in Duisburg wurde sie 1999 Einzelmitglied und arbeitete erstmals im Vorstand eines Kreisverbandes mit; später in Essen war sie dann – mit Unterbrechungen – Vorstandsmitglied, stellvertretende Vorsitzende und schließlich Vorsitzende. Als die damalige Sekretärin irgendwann durch einen Stellenwechsel ausschied, übernahm sie deren Aufgaben kurzerhand mit. Und brachte in der Folgezeit, gut unterstützt durch zwei weitere Vorstandsmitglieder, gleich mehrere Satzungsänderungen auf den Weg („Die waren alle nötig und richtig, aber die Umsetzung mit dem Amtsgericht teilweise doch sehr mühsam…“).
Auch der Kreisverband veränderte sich: Die Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität wechselte aus der Trägerschaft der Frauenhilfe zum Diakoniewerk Essen, ein Beirat musste in den – vergrößerten Vorstand – integriert werden. Neue Veranstaltungsformate wie das „Forum“ wurden entwickelt und hielten sich über Jahre, es gab Jubiläen, Aufbrüche – parallel aber machte sich der anhaltende Mitgliederschwund bemerkbar: Aus 10.000 Mitgliedern (1926) wurden erst 1.300 (2006), dann 230 (2025). Manche Gruppen lösten sich auf, andere fusionierten, wieder andere litten darunter, dass keine Leitung gefunden wurde oder niemand den Kontakt zum Kreisverband halten wollte. Und weil die Basis bröckelte, war die Auflösung des Kreisverbandes am Ende absehbar und folgerichtig.
SOZIALES ENGAGEMENT ALS KONTINUUM
Was bei allen Veränderungen als starkes Kontinuum zutage tritt, ist das soziale Engagement, das die Evangelische Frauenhilfe zu allen Zeiten ausgezeichnet hat und auch zukünftig weiter auszeichnen wird. Unermüdlich wurde und wird für benachteiligte Frauen Partei ergriffen, werden Kollekten und Spenden gesammelt, wurde die Kurberatung, die zuletzt einmal wöchentlich im Haus der Evangelischen Kirche durch Kurberaterin Oksana Funkner ausgeübt wurde, leidenschaftlich unterstützt.
Diesem Engagement ist es zu verdanken, dass die Kurberatung, die bis dahin auf Mutter- bzw. Väter-Kind-Kuren beschränkt war, in den letzten sechs Jahren auf pflegende Angehörige ausgeweitet werden konnte. Dass die Kurberatung nun aufgegeben werden muss, somit auch Oksana Funkner selbst im Gottesdienst verabschiedet wurde, sehen viele Mitglieder – und vor allem Daniela Emge selbst – mit großem Bedauern; hier wird zukünftig ein wichtiges Angebot für stark belastete Menschen aus Essen fehlen (der Abschlussbericht von Oksana Funkner wurde auf der Homepage des Kirchenkreises Essen kirche-essen.de veröffentlicht).
WAS BLEIBT?
Die Gemeinschaft und das soziale Engagement der Frauenhilfe werden, so hofft Daniela Emge, werden in Essen noch lange sichtbar bleiben. Das Ende des Kreisverbandes bedeute nicht das Ende der Frauenhilfe in unserer Stadt: Die derzeit elf aktiven Gruppen und alle Einzelmitglieder, die bisher dem Kreisverband angehörten, könnten dem Landesverband „Evangelische Frauen im Rheinland“ beitreten; auf diese Weise solle die Arbeit für Frauen gemeinsam fortgesetzt werden. Dasselbe gelte für die Vorbereitung der jährlichen Weltgebetstags-Feiern, an der sich traditionell besonders viele Frauenhilfegruppen beteiligen.
Auch die bisher im Kreisverband aktiven Frauen wollen miteinander in Verbindung bleiben, sich ab und an treffen und Ausflüge unternehmen. Und weil die Mini-Gruppen, die der Kreisverband seit 2018 im Heliand-Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Freisenbruch-Horst-Eiberg anbietet, ebenfalls fortgeführt werden können, klingt unser Bericht bei aller Wehmut am Ende mit einer kleinen, aber positiven Nachricht aus.
PDF ⇓ | Geschichte des Kreisverbands der Essener Frauenhilfe ab 2010
PDF ⇓ | Geschichte der Essener Frauenhilfe 1912 bis 2012
