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Demokratie- und Stadtteilprojekt MACHT.mit! zieht Bilanz
Projekt ist offiziell beendet
Moers/Essen, 20.02.2026. Das Demokratie- und Stadtteil-Pilotprojekt „MACHT.mit!“ in Moers-Meerbeck/Hochstraß und Essen-Borbeck ist nach einjähriger Laufzeit offiziell abgeschlossen. Ziel des Vorhabens war es, den Austausch zwischen der Stadtteilbevölkerung, der Politik und der Verwaltung nachhaltig zu verbessern und das Vertrauen in demokratische Prozesse zu stärken. Am 19. Februar kamen rund 50 Beteiligte im Evangelischen Gemeindehaus in Meerbeck zusammen, um die Ergebnisse zu diskutieren und einen Blick in die Zukunft dieser Methode zu werfen.
HÜRDEN FÜR DIE POLITISCHE BETEILIGUNG ABBAUEN
Die Methode bestand darin, die Hürden für die politische Beteiligung so niedrig wie möglich zu gestalten. Über mehrere Monate suchte das Projektteam gezielt Orte des Alltags auf – vom Kiosk bis zur Parkbank, vom Mehrgenerationenhaus bis zum Spielplatz – und kam mit Menschen ins Gespräch. „Das ging sehr einfach“, berichtet Petra Kurek, Leiterin des Bildungswerks FRIEDA im Kirchenkreis Moers und Teammitglied. „Wir stellten uns zu den Menschen, die dort waren, fragten, warum sie hier seien, was sie hier machten und kamen sehr schnell zu Themen, Fragen, Sorgen, Anliegen und Ideen zu dem Ort und zum Leben im Stadtteil ins Gespräch.
Auf den Spielplätzen etwa ging es um integrative Spielgeräte oder Orte für Jugendliche, die Spielplätzen entwachsen sind etc.“ Dem pflichtet Jost Berlage vom Quartiersmanagement Stadtteilprojekt WEST und Teammitglied in Essen bei: „Die Idee war: Wir kamen, um zuzuhören und zwangen kein Format auf. Das hat Vertrauen geschaffen.“
AUS INTERVIEWS WURDEN PODCASTS
Um eine lockere und entspannte Atmosphäre sowie eine leichte Beteiligung zu ermöglichen, wurden die Gespräche mit kleinen Aufnahmegeräten aufgenommen, sofern die Beteiligten ihre Zustimmung erteilt hatten. Diese erteilten sie alle: „Viele Teilnehmende haben es als stärkend erlebt, dass sie gefragt und mit ihren Themen ernst genommen wurden“, fasst Teammitglied Rebecca Rübsam und Mitarbeiterin von FRIEDA ein weiteres der Studienergebnisse zusammen.
Die so entstandenen Tondateien wurden als kurze, themenbezogene Podcasts auf den Projekthomepages veröffentlicht. Damit erhielten Verantwortliche in den Rathäusern die Gelegenheit, sich die Sorgen, Anliegen und Ideen der Bürgerschaft ohne unmittelbaren Handlungsdruck anzuhören. In einer zweiten Phase sollten sich Bewohnerinnen und Bewohner der Stadtteile sowie Vertretende aus Politik und Verwaltung treffen und gemeinsam umsetzbare Lösungen für die Anliegen aus dem Stadtteil suchen.
In Moers wie in Essen führte das zu sehr konstruktiven wie produktiven Gesprächen. Gemeinsam wurden konkrete Lösungsansätze und Umsetzungsideen zu Themen und Anliegen entwickelt, die Bürgerinnen und Bürger in den Podcasts geäußert haben. Ergebnisse für Moers waren zum Beispiel die Installation eines Sonnenschutzes auf dem Gelände des Sportparks Rheinpreussen für heiße Sommer oder das Einrichten von Graffiti-Flächen für Kinder und Jugendliche. Diese und andere Ideen sind gerade in der Prüfung bei der Stadt.
ES LOHNT SICH, SICH AM POLITISCHEN PROZESS ZU BETEILIGEN!
„‚MACHT.mit! war allerdings kein politisches Projekt, sondern ein Projekt der politischen Bildung“, stellt Thomas Hartung, Teammitglied ehemaliger Leiter des Interkulturellen Gemeindezentrums „Kreuzer“ in Essen fest. „Es ging nicht darum, Wünsche zu erfüllen, sondern Kommunikation herzustellen und auch einen Einblick zu ermöglichen, wie Entscheidungsprozesse in der Stadt funktionieren. Und auch das Gefühl zu vermitteln, dass es sich lohnt, sich über die Wahl hinaus am demokratischen Prozess zu beteiligen.“ - „Wir wollten Räume schaffen, in denen Menschen sich gehört fühlen und sich im gemeinsamen Denken und Gestalten als wirksam wahrnehmen können“, ergänzt Projektkoordinator Frederik Göke.
AUCH SCHWIERIGKEITEN WURDEN KLAR BENANNT
Dass dem Pilotprojekt auch Schwierigkeiten innewohnten, die in anderen ähnlichen Projekten gelöst werden müssten, verschwieg er nicht. „Wir haben z.B. gelernt, dass der Ort einer Begegnung massiven Einfluss auf die Gesprächsbereitschaft hat.“ Die informellen Gespräche an den Orten, an denen die Menschen sich zuhause fühlen, waren sehr erfolgreich. Schwieriger war es bei den Veranstaltungen. Hier mussten sich Menschen in Moers wie in Essen wieder an einen Ort begeben, an dem sie sich nicht unbedingt „zuhause“ fühlten. Offensichtlich waren die Barrieren dadurch höher, zum Gespräch mit den politisch Verantwortlichen zu kommen als in gewohnter Umgebung, so seine Einschätzung.
Und unterschätzt hatten die Teammitwirkenden auch den Zeit- und Arbeitsaufwand, der benötigt wurde, die Kontakte zu Stadtteilakteurinnen und -akteuren, etwa Stadtteilbüros, Mehrgenerationenhäusern etc. aufzubauen. „Wir werden in unserem Buch unsere positiven und negativen Erfahrungen genau darstellen, so dass andere interessierte Städte davon profitieren können.“
„Es war ein spannendes Jahr, erklärt Dr. Dagmar Herbrecht vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein, Träger des Projekts. „MACHT.mit! hat sich als reale Möglichkeit der politischen Bildung herausgestellt, wie Menschen sich in zunehmend komplexerer und differenzierterer gesellschaftlicher Umgebung in demokratische Prozesse einbringen können. Eigentlich sollten wir heute keinen Punkt, sondern einen Doppelpunkt setzen.“ Das sahen die Teilnehmenden des Abschlusstages genauso und diskutierten in Workshops über das Projekt.
WEITERE INFORMATIONEN
-- Die Internetseiten sind zu erreichen unter www.macht-mit-moers.de bzw. www.macht-mit-essen.de.
-- Die Podcasts darauf wurden mit Unterstützung des Bürgerfunks Moers im Radio K.W. der vhs-Radiowerkstatt produziert.
-- Das Evangelische Erwachsenenbildungswerk (eeb) Nordrhein war Projektträger von MACHT.mit!
-- Der Innovationsfonds des Landes NRW förderte das Projekt über eine Dauer von einem Jahr.
-- In Moers-Meerbeck/Hochstraß wurde das Projekt über das Bildungswerk FRIEDA im Kirchenkreis Moers in Kooperation mit dem Stadtteilbüro Neu-Meerbeck und der TuWas Genossenschaft eG durchgeführt.
-- In Essen-Borbeck wurde das Projekt über die Evangelische Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim in Kooperation mit dem BIGWAM e. V. und dem Quartiersmanagement Stadtteilprojekt WEST (Altendorf/Bochold) durchgeführt.
Auf dem Titelfoto (v.li.n.re). Jost Berlage (Quartiersmanagement Stadtteilprojekt WEST und Teammitglied in Essen), Thomas Hartung (Teammitglied in Essen), Dr. Dagmar Herbrecht (Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Nordrhein), Frederik Göke (Projektkoordinator), Rebecca Rübsam und Petra Kurek (Teammitglieder in Moers und Bildungswerk FRIEDA), Jens Franken (Leitung des Stadtteilbüros in Meerbeck/Hochstraß und Kooperationspartner in Moers). Foto: Kirchenkreis Moers.
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